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Das Büro von heute: Zwischen VUCA, New Office und Scrum

16. Juli 2020, von Christine Gimpl-Wiegers und Dr. phil. Sandra Siebenhüter

Die VUCA-Welt fordert uns! Um sie zu bändigen, erschaffen die Unternehmen ihr Gegenmodell, ihre eigene VUCA-Definition: Vision, Understanding, Clarity, Agility. Insbesondere letzteres ist das Gebot der Stunde und spiegelt sich in den Ideen von New Work, Agilem Arbeiten und Holokratie wider. Dadurch entstehen neue betriebliche Narrative und Deutungsrahmen, in denen sich sowohl die Beschäftigten wie auch die Betriebsräte bewegen. Trotz hipper Büros und Wohlfühlatmosphäre ist der Arbeitsalltag durchdrungen von der Logik und den Prinzipien des ganzheitlichen Produktionssystems, gekoppelt mit den der agilen Organisations- und Arbeitsformen aus der Softwareentwicklung.

Wie unser Büro agil wird

Die Anforderungen der Kunden (z.B. das andere Team/andere Abteilung, der externe Kunde) stehen im Mittelpunkt, sie müssen das bestmögliche Produkt (eine Infrastruktur, einen Arbeitsschritt, ein Angebot) erhalten. Dazu bedarf es einer sehr engen Zusammenarbeit und ständigem Austausch im Team und mit den Kunden. Lange Verhandlungen und starre Prozessen treten gegenüber schneller Reaktion auf Veränderungen dabei in den Hintergrund. Dies ist die Grundidee des „Agilen Manifests“ der Softwareentwicklung und damit der Taktgeber unserer Arbeit im Büro.

Unser Team ist selbstverständlich interdisziplinär und hochflexibel, alle Mitglieder stehen im ständigen Austausch zueinander, Zeit und Raumgrenzen sind aufgehoben, Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit ist das Gebot der Stunde und wir alle sind für das Ergebnis verantwortlich. Konsequent umgesetzt werden dadurch Routinetätigkeiten und das Reporting über Hierarchieebenen hinweg reduziert. Jedes einzelne Teammitglied kennt jeweils das ganze Projekt, über den eigenen Anteil hinaus. Dieser Blick über den Tellerrand ermöglicht neue Erkenntnisse, weckt neue Interessen und führt nahezu „automatisch“ zur Weiterentwicklung und zur Übernahme komplexerer Aufgaben im nächsten Projekt. Ideen testen wir mit Design Thinking und unsere Motivation ziehen wir nichtmehr aus dem bloßen Zweck, sondern der Purpose.

New Office – Das Büro wird zum Wohnzimmer und das Wohnzimmer zum Büro

Am Anfang steht der Umbau der Büros, raus aus dem Standardzimmer, rein in die Open-Space Area. Diese Bürolandschaften bilden das bauliche Fundament für spontane und geplante Kommunikations-, und Begegnungsräume: Der Projektstatus ist immer für alle transparent einsehbar, aktuelle Fragen und Challenges können jederzeit und von jedem Teammitglied platziert werden. Arbeitest Du noch ab oder schon an der nächsten Idee, könnte die Frage lauten. Denn diese Ausstattung soll sowohl Kreativität fördern wie Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten bieten. So manches Büro mutet da eher wie ein Wohnzimmer an. Parallel dazu findet die Zusammenarbeit und die Kommunikation der Teams auch im virtuellen Raum statt: Morgendlichen Statusbesprechung vom heimischen Frühstückstisch, Telko im Wohnzimmersessel, noch ein schneller Post vor dem Joggen? Alles kein Problem.

Goldenen Zukunft!?

Der Idealfall: Wir können kreativer arbeiten, flexibler auf unsere eigenen Bedürfnisse eingehen und stets neues ausprobieren. Die Übernahme wechselnder Aufgaben führt dazu, dass wir uns ständig weiterentwickeln, das lebenslange Lernen geht quasi automatisch. Fast zu schön um wahr zu sein, denn Geld gibt es dafür auch noch.

Chancen nutzen – Risiken erkennen – Demokratie leben

Ja, es steckten viele Chancen für uns alle in diesen neuen Arbeitsformen, im Einsatz neuer Methoden und Werkzeuge, in verstärkter digitaler Unterstützung und in der Nutzung neuer Freiräume, wie z.B. Homeoffice. Doch wir arbeiten immer noch in einem wirtschaftlichen Umfeld in denen Unternehmen in Effizienz-, Produktivitäts-, und Gewinnkategorien agieren.

Und wir Betriebsräte und Gewerkschafter: Sind wir Spielverderber, Traditionalisten oder haben es einfach nicht verstanden? Lassen Sie uns gemeinsam darüber diskutieren, wie wir im Vorfeld zusammen mit den KollegInnen die Strukturen gestalten und die Prozesse in den Teams begleiten, um die individuelle Selbstbestimmung fördern, anstatt im Nachhinein die Verlierer dieser neuen Bürowelt einzusammeln.

Auf den Münchner Betriebsrats-Tagen analysieren Christine Gimpl-Wiegersnoch und Dr. phil. Sandra Siebenhüter mit Ihnen Chancen und Risiken rund um den Arbeitsplatz der Zukunft. Informieren Sie sich direkt jetzt und laden Sie sich hier das Programm herunter.

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Christine Gimpl-Wiegersnoch

Stellvtr. Betriebsratsvorsitzende | Siemens AG

Nach Maschinenbau Studium und umfangreicher IT Qualifizierung, Beschäftigung bei der Siemens AG. Dort langjährige Tätigkeit in Softwareprojekten zur Produktionsautomatisierung für Kunden unterschiedlichster Branchen. Seit ca. 10 Jahren Betriebsrätin, davon 4 Jahre in Freistellung und ca. 2,5 Jahre als stellvertretende Vorsitzende. Zusätzlich aktiv in der Gleichstellungspolitik der IG Metall.

Dr. phil. Sandra Siebenhüter

Gewerkschaftssekretärin | IG Metall Bezirk Bayern

Nach vielfältigen beruflichen Stationen, einem Doppelstudium (Politik, Philosophie, Recht und Soziologie), mehreren Auslandsaufenthalten und Forschungstätigkeiten rund um das Thema Arbeitswelt, nun seit mehreren Jahren bei der IG Metall als Gewerkschaftssekretärin tätig. Aktuell ist sie Ansprechpartnerin der IG Metall Bayern in Fragen von Digitalisierung und Transformation.

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