Alles digital, oder was?

Autor: Armin Nau

Digitalisierung als Thema Nummer 1

Ähnlich wie die Politik derzeit vom Klimawandel dominiert wird, verhält es sich im Berufsleben mit der Digitalisierung.

Täglich, ja fast stündlich werden wir über (soziale) Medien mit diesem Thema konfrontiert. Es scheint, als gäbe es momentan kein dringenderes Thema.

Ja – Digitalisierung geht uns alle an und es geht auch kein Weg daran vorbei.

Ja – auch ich bewege mich schon ziemlich digital und genieße die Annehmlichkeiten, die ich beispielsweise durch hilfreiche Apps habe.

Und Ja – wer den unaufhaltbaren Einzug der Digitalisierung verweigert, wird mittelfristig Probleme bekommen – nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag.

Doch wo beginnt Digitalisierung eigentlich?

Wir treffen in unserer Gesellschaft auf ein breites Spektrum an „digitalem Wissen“:

Für den einen ist Digitalisierung die Banküberweisung per Handyfoto, für den anderen beginnt Digitalisierung vielleicht damit, zum ersten Mal einen Brief am PC zu schreiben und auszudrucken.

Die Herausforderung, die sogenannte Digitalisierung in die Gesellschaft zu bringen, und das möglichst ohne viele „zurück zu lassen“ ist riesengroß. Den alten Spruch „aus einem Esel kann man kein Rennpferd machen“ (Anmerkung des Autors: Esel ist hier nicht despektierlich gemeint) hört man im Zusammenhang mit dem Einzug der Digitalisierung sehr häufig. Menschen, die jahrzehntelang hervorragende Arbeit an beispielsweise Großrechnersystemen geleistet haben, sollen durch neue, webbasierte Systeme genauso wie diese ausgetauscht werden. In meinem Unternehmen nannte man das „Qualitätstausch“.

Qualifikation dringend erforderlich

Die Unternehmen haben es versäumt frühzeitig in Qualifikation von eigenen Mitarbeiter/innen zu investieren – oder kam die Digitalisierung einfach zu schnell, um zeitnah darauf zu reagieren? Eine Frage, die oft diskutiert wird und zu der die Meinungen weit auseinanderdriften.

Arbeitnehmervertreter sind an dieser Stelle stark gefordert. Es reicht nicht aus, nur Sozialpläne mit möglichst guter Abfederung zu verhandeln – das ist zwar ein wichtiger Teil, darf aber nicht alles sein. Initiativen zu Qualifizierungsoffensiven sind nun stärker als je zuvor gefragt. Es ist noch nicht zu spät, aber es muss dringend damit begonnen werden. Man muss den Unternehmen aufzeigen, dass das Knowhow der altgedienten Mitarbeiter/innen gepaart mit Qualifikationen in die neue digitale Welt für die Firma einen Vorteil bringt. Angebote, in denen sich Arbeitnehmervertreter hierzu fit machen können, müssen genutzt und sollten auch von Geschäftsleitungen unterstützt werden – denn am Ende profitieren alle davon.

Die Münchner Betriebsrats-Tage 2019 bieten zahlreiche interessante, innovative Workshops und Vorträge. Hier werden die Themen zur Digitalisierung in Bezug auf Ihre Arbeit als Arbeitnehmervertreter, sowie entstehende Handlungsfelder und -optionen, aufgezeigt.

Zum Kongressprogramm

Gibt es denn noch andere Themen?

Ja – auf jeden Fall!

Trotz allem Digitalisierungshype dürfen wir nicht vergessen, dass es nach wie vor Themen rund um unsere Kolleginnen und Kollegen gibt, die von der Digitalisierung nur am Rande betroffen sind.

Themen wie Arbeitszeit und Vergütung beispielsweise dürfen durch die „Vormachtstellung“ der Digitalisierung nicht stiefmütterlich behandelt werden. Hier gilt es den Spagat aus „das eine tun ohne das andere zu lassen“ zu finden. Keine leichte Aufgabe für ehrenamtliche Arbeitnehmervertreter – aber wer hat denn auch gesagt, dass es einfach wird?

Kann digital denn alles?

In vielen Branchen ist Digitalisierung bereits heute nicht mehr wegzudenken. Kaum einer von uns kann von sich behaupten, dass er noch nie eine Wetter-App benutzt hat, eine Überweisung an einem Terminal in der Bank (ja, auch das war schon Digitalisierung) getätigt hat oder in einem Vergleichsportal nach günstigen Versicherungen oder Reisen gesucht hat. Das alles sind Beispiele des alltäglichen Lebens zur Digitalisierung.

Es gibt Kühlschränke die Milch bestellen, wenn die letzte aus dem Fach genommen wird. Autos, die bereits vor einem selbst wissen wo man hinfahren will. Alles digital.

Aber haben Sie ALEXA schon mal gefragt, ob sie mal eben schnell die Windeln wechseln kann?
Hat Siri Sie denn schon einmal in den Arm genommen und getröstet?

Gerade im Gesundheitswesen und bei der Dienstleistung am Menschen hat das Thema Digitalisierung zwar vielleicht Einfluss auf Dienstpläne, Erreichbarkeit und Organisation – jedoch ist der Mensch zum Glück keine Maschine und benötigt nach wie vor menschliche (analoge) Unterstützung im Alltag, wenn er selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist.

Krankenschwestern, Pfleger, Erzieher/innen beispielsweise betrifft die Digitalisierung zwar genauso, weil dieses Thema immer mehr zu Lasten der eigentlichen Aufgabe geht. Jedoch sollte hier der empathische, menschliche Teil nach wie vor überwiegen.

Fazit

Der Einzug der Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Die Digitalisierung bringt sehr viele Vorteile mit sich, schafft neue Berufsfelder und erleichtert das Leben.

Eine Verweigerung der Digitalisierung hilft keinem. Man muss sich der Herausforderung stellen – im Berufsleben wie auch im Alltag – jedoch darf sie nicht komplett unser Handeln bestimmen.

Menschlichkeit ist nach wie vor der wichtigste Faktor in unserem Leben und sollte es auch bleiben.

„ALEXA – mach das Licht aus!“