Grußwort

Renate Schmidt
Renate Schmidt - Bundesfamilienministerin a.D., ehemalige Betriebsrätin

Sehr geehrte Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Münchner Betriebsratstage 2017,

derzeit verändert sich die Welt in rasantem Tempo, Gewissheiten und Institutionen geraten ins Wanken. Das hat vor allem mit zwei ungelösten Problemen zu tun.

  1. Der Globalisierung, von der gebetsmühlenhaft behauptet wird, dass alle von ihr profitieren würden, während die Ungleichheit zwischen vermögenden Kapitalbesitzern und der Masse der arbeitenden Menschen immer größer wird.
  2. Der Digitalisierung, an deren Anfang wir erst stehen, die Millionen von Arbeitsplätzen, auch sehr qualifizierten kosten wird.

Was haben diese Fragen mit Betriebsratsarbeit zu tun? Sehr viel, denn die durch die Globalisierung hervorgerufene, immer größer werdende Ungleichheit gefährdet den sozialen Zusammenhalt und ist Wasser auf die Mühlen der Radikalinskis von rechts und links. Dem muss ein fairer Freihandel und eine Steuerpolitik entgegen gesetzt werden, die allen und nicht nur wenigen nützten. Gewerkschaften und Betriebsräte müssen versuchen das Outgesource und immer niedrigere Löhne zu verhindern, die mit der angeblich sonst nicht gewährleisteten Wettbewerbsfähigkeit begründet werden.

Die Frage: Wie sieht die Arbeit im digitalen Zeitalter aus? wird die Politik auch nicht alleine beantworten können, da ist die gesamte Gesellschaft gefordert. Bisher haben Maschinen körperliche Arbeit übernommen, wenn sie jetzt auch noch Denk- und soziale Arbeit übernehmen, bleibt für von Menschen geleistete bezahlte Arbeit nicht mehr viel übrig. Was ist also zu tun? Wenn mir vor zwei Jahren jemand erzählt hätte, dass z.B. der Siemens-Chef Kaeser, und viele andere eher Konservative, laut über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachdenken, weil es für die Menschen im digitalen Zeitalter nicht mehr genug Arbeit gibt, ich hätte es nicht geglaubt.

Aber ist das der richtige Weg? Dient Arbeit wirklich nur der materiellen Absicherung oder gehört sie zu einem erfüllten Leben dazu? Wäre es nicht besser, mit einem Teil der Gewinne der digitalen Innovationen von Menschen geleistete Arbeit zu finanzieren, die unser aller Leben lebenswerter macht?

Ich kann diese Fragen als – ehemalige – Befürworterin eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht endgültig beantworten, freue mich aber sehr, mit Ihnen bei den Münchner Betriebsratstagen 2017 darüber zu diskutieren.

Herzlichst

Renate Schmidt